Corona-Herbst

Man könnte es auch Erkältungszeit oder Grippeperiode nennen; aber unsere Corona-Populisten namens Spahn, Söder und Lauterbach bezeichnen den zu erwartenden saisonalen Anstieg von Erkältungskrankheiten – ganz im Sinne des apokalyptischen Weltbildes der neuen Normalität – als „Corona-Herbst“.

Soweit so gut. Erschreckend ist allerdings, dass die oben genannten Gesundheitsexperten aus ihren schwerwiegenden Fehlern zu Beginn der Pandemie nicht gelernt haben. Zur Zeit des Lockdowns sollten die Menschen mit Krankheitssymptomen wegen der Sorge um ein Infektionsrisiko keinesfalls leichtfertig Arztpraxen oder Krankenhäuser aufsuchen, zu Hause ausharren und sich allenfalls telefonisch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in den Praxen bestellen. Die Folgen waren absehbar: Unzählige Menschen saßen mit beispielsweise schwerwiegenden Infekten, Stoffwechselentgleisungen oder dekompensierter Herzschwäche in den eigenen vier Wänden fest. Uns sind sogar einzelne Patienten bekannt, die sich aus Angst vor einer Covid-Infektion tagelang gesträubt haben mit einem frischen Herzinfarkt Arztpraxis oder Klinik aufzusuchen.

Ganz gleich, ob wir es als Dummheit oder Ignoranz begreifen – unser Bundesgesundheitsminister stellt sich gegenwärtig erneut selbst sein Zeugnis darüber aus, dass er von Patientenversorgung bzw. dem ambulanten Handling von Infektionskrankheiten rein gar nichts versteht. Spahn möchte für den Herbst und Winter sogenannte Fieberambulanzen und spezielle Praxen für Menschen mit Infektsymptomen installieren. In solchen Einrichtungen wird dann die Masse der eintreffenden Patienten der üblichen Abstrichuntersuchung unterzogen und anschließend nach verschiedenen Kriterien triagiert – das sind dann Vorgehensweisen wie bei sogenannten Großschadensereignissen oder im Kriegsfall.

Der Umgang mit einer Infektsymptomatik ist unabhängig vom Lebensalter des Patienten stets eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für das ärztliche Handeln. Eine differenzierte Anamnese, insbesondere die Kenntnis von Vor- bzw. Begleiterkrankungen und der einer eventuell bestehenden Dauermedikation sind hier essentiell. Eine ebenso differenzierte Auseinandersetzung mit den sogenannten Differentialdiagnosen – also wodurch können beispielsweise Fieber und Husten noch verursacht sein – sind wichtige Voraussetzungen für weitere Diagnostik und eine sinnvolle Therapieentscheidung. Ein ganz wesentliches Charakteristikum der Behandlung von Infektionskrankheiten ist die Verlaufsbeobachtung, insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und den Angehörigen der sogenannten Risikogruppe. Unter Berücksichtigung sämtlicher genannter Aspekte kann eine individuelle zielgerichtete Behandlung, insbesondere unter kritischem Einsatz von Antibiotika, eingeleitet werden.

Zweifelsfrei können diese komplexen Anforderungen von Spahns geforderten Einrichtungen nicht geleistet werden – man stelle sich nur vor: Schwer herzkranke hustende Patienten neben fiebernden und hustenden Kleinkindern und Menschenmassen mit Schnupfen, deren Arbeitgeber einen Corona-Abstrich fordert.

Liebe Patientinnen, liebe Patienten, bitte tun Sie sich und uns den Gefallen und handhaben Sie es im kommenden Corona-Herbst und -Winter nicht anders als in den vorangegangenen Erkältungsperioden – kündigen Sie sich telefonisch bei dem Arzt Ihres Vertrauens an und wir garantieren eine kompetente ärztliche Betreuung unter Einhaltung sämtlicher evidenzbasierter Hygienemaßnahmen zur Minimierung eines Infektionsrisikos.

Herzlichst, Ihr

Dr. Ulfert Schröder